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05.10.12 22:05 Age: 2 yrs

Stern Fucking Zeit - Pathoscillator

Category: reviews, featured record

Nun, also Sammler alter Videospiel-Hardware und jemand, der schon an diversen Chiptune Releases Spass hatte, gleichzeitig aber seit 20 Jahren Punk, Hardcore und Metal hört, muss ich Stern Fucking Zeit wohl einfach gut finden.

Für empfindliche Ohren ist das hier natürlich nix. Im Endeffekt hat man Strukturen von emotionalem Hardore einfach auf 8-Bit Ebene übertragen  - bzw. entsprechende Emulatoren, denn auch wenn live Gameboys ins Set eingebaut werden, ist das hier wohl eher auf moderner Technik entstanden, die auf alt getrimmt ist. Dazu wird gebrüllt wie am Spiess. Das wars eigentlich schon. Bemerkenswert aber: da die Songs strukturell und auch von den Hooks und Rhythmen her tatsächlich aus Screamo und Co. stammen könnten, funktionert das ganze verdammt gut. Ich fände es hoch interessant, wenn mal jemand die Tracks tatsächlich klassisch mit Gitarre, Drums und Bass interpretieren würde. Ich wette, das Ergebnis wäre eine erstklassige, mitreissende Screamo-Scheibe.

Zurück aber auf die Retro-Ebene: die Songs sind teilweise natürlich wirr und anstrengend, v.a. über die Länge des Albums, aber immer wieder findet man bekannte Elemente. So kann man in all dem Midi-Gedudel Breakdowns ausmachen, schnelle Parts und teilweise wunderbare Melodien. Alles ist natürlich eher nah am Mathcore, der hier nochmal eine völlig neue Bedeutung findet. Was man ebenfalls nicht verkennen sollte: die Band schreibt richtige Songs. „Interrobang“ sei nur mal als Beispiel genannt: eine großartige Struktur trägt den Song, Elemente kehren wieder so wie es sich gehört, es gibt Spannungsbögen, und überhaupt sollte man nicht meinen, dass es sich hier wegen „8-bit“ um dünne Sounds handelt. Die Songs sind vielschichtig arrangiert, keine Spur von 2 Spuren und das wars – es gibt quasi Drums, Gitarren, Bass und mehr. Nur eben aus dem Computer. Von 1980. Auch wagen einige Tracks Ausflüge in Richtung Ambient und Glitchcore, was ebenfalls zur Abwechselung beiträgt. Auch bleiben einige der Tracks überraschend gut im Ohr. Das Geschrei und manchmal Gesang sind eher typischer Natur für Screamo und Hardcore, und fügen sich überraschend ein in das fremde Umfeld. 

Label: Ampire Records

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